Für meinen Partner und mich ist es immer wieder interessant, die Reaktionen von Menschen, die uns nicht nahestehen und nicht alle Entwicklungen hautnah mitbekommen haben, auf unsere Wohnsituation zu erleben. Wir lebten etwa 15 Jahren zusammen und seit mittlerweile fünf Jahren in unterschiedlichen Städten. Meine Feststellung: Es löst Irritation aus. Viele reagieren offen und interessiert, andere skeptisch. Irritation und Erstaunen schwingen jedoch fast immer mit. Allein bei diesem Punkt merke ich, dass wir nicht der Norm entsprechen. Denn Paare ziehen spätestens nach ein paar Jahren zusammen und ein erneutes Auseinanderziehen ist dann eigentlich ausgeschlossen. Als Paar zusammen in eine eigene Wohnung zu ziehen, gilt als Zeichen des Commitments, da die zunehmende Verschmelzung ja immer das Ziel romantischer Beziehungen ist. Wir finden das so selbstverständlich, dass wir in der Regel gar nicht darüber nachdenken. Auch ich dachte, oder vielmehr fühlte, früher so. Klar.
Wenn ein*e Partner*in plötzlich den Wunsch äussern würde, wieder ohne den*die Partner*in wohnen zu wollen, würde das mit hoher Wahrscheinlichkeit eine grosse Krise auslösen.
Heute denke ich, dass es doch irgendwie schräg ist, dass romantische Beziehungen und Partnerschaften so unflexibel und starr sind. Wenn sie nicht genau nach Norm ablaufen, stürzen wir sofort in Unsicherheiten. Aber die Normen einzuhalten, ist auf Dauer sehr einengend, believe me. Denkt nur an all die unglücklichen Langzeitpaare in eurem Umfeld. Daher hier ausnahmsweise mal ein Tipp: Genau wie die Frage nach der Monogamie würde ich auch die Frage des Wohnens und (Wieder-)Auseinanderziehens unbedingt von Beginn an in einer Beziehung ansprechen und diskutieren – just to add some flexibility!
