Eine Freundin schickte mir die folgende Textstelle aus Mareike Fallwickls neuem Buch „Haltet euch fest“:
„Sind die zwei eigentlich zusammen oder nur Freunde?“, hat Sanna mich dann gefragt. Empört fährt Somi fort: „Nur Freunde, nur! Als wäre eine Freundschaft weniger wert als eine romantische Beziehung. Als wären zwei Menschen ab dem Moment, in dem sie Sex haben, plötzlich etwas Bedeutenderes. Sagen dann auch alle, nicht wahr? Die sind mehr als nur Freunde. Mehr.“
Diese Textstelle spricht mir aus dem Herzen. Ja, eine Beziehung ist nicht automatisch intimer, nur weil sie romantisch ist. Sie ist nicht wertvoller, nur weil sie romantisch ist. Sie ist nicht besser, nur weil sie romantisch ist. Ihr gebührt nicht mehr Aufmerksamkeit, Zeit und Pflege, nur weil sie romantisch ist. Und sie ist sicherlich nicht sicherer, nur weil sie romantisch ist. Das wissen sehr viele Frauen und Queers eigentlich längst, weil sie es in ihren Freundschaften so erleben. Enge Frauenfreundschaften leben von emotionaler Intimität, gegenseitiger Verletzlichkeit, Verbindlichkeit und echter Augenhöhe. Und das ist nicht die Ausnahme, sondern ganz normal. Und das ist etwas, das Frauen in heterosexuellen Beziehungen bisher eher nicht wirklich finden (und sich zum Glück! zunehmend daran stören).
Mit dem „maximalen Öffnen“ unserer Partnerschaft geschah mit der Zeit ein innerer Wandel, durch den ich immer mehr realisierte, dass das Commitment für unsere Beziehung nicht an Sexualität und Romantik, sondern an Liebe zueinander gekoppelt ist. Und Liebe ist in erster Linie genau das: füreinander da sein, Anteil nehmen am Leben des Gegenübers, Interesse, Verbindlichkeit, Aufmerksamkeit, Zeit, you name it. Umso schöner, wenn wir all das nicht bei einer einzigen Person finden müssen, sondern bei mehreren. In romantischen wie nicht-romantischen Beziehungen, und allem dazwischen und daneben.
