Ist Monogamie von gestern?

Die kurze Antwort: keinesfalls.

Ich schreibe dezidiert aus der Perspektive einer monogamen Langzeitbeziehung, die sich nach 17 Jahren und einer einjährigen Trennung in eine maximal offene Beziehung entwickelt hat.

Die Zeit als monogames Paar war für meine Entwicklung unglaublich wichtig. Ich komme aus einer dysfunktionalen Familie und war 18, als ich meinen Partner kennengelernt habe. Es war das Beste, was mir zum damaligen Zeitpunkt passieren konnte. Meine monogame Beziehung war für mich ein Ort der Heilung. Ein Ort der Sicherheit und Ruhe, an dem ich langsam und immer mehr zu mir fand.

Das Thema „offene Beziehung“ war zu dieser Zeit gesellschaftlich vollkommen inexistent. Aber selbst wenn es bereits eine Option gewesen wäre, wäre ich mit 18 und vor dem Hintergrund meiner Biografie niemals in der Lage gewesen, dies auch nur annähernd in Betracht zu ziehen.

Für mich war es die Voraussetzung, zunächst in einer exklusiven Zweier-Konstellation Beziehung zu erleben, um nun, mit deutlich mehr Lebens- und Beziehungserfahrung, offene Settings handeln zu können. Daher nein, ich kann offene Beziehungen nicht per se empfehlen.

Aber: Ich bin ziemlich überzeugt, dass die Monogamie und die damit meist verbundene heteroromantische Beziehungsführung in sehr sehr vielen Fällen früher oder später zum ernsthaften Problem wird. Sei es nach fünf, zehn, 15 oder mehr Jahren. Der Spielraum, wie eine „gute Beziehung“ auszusehen hat, ist bei diesem Modell nun mal sehr klein. Man darf nur mit einer Person Sex haben, sollte zusammenwohnen und sich gegenseitig die zentrale Person im Leben sein. Und das alles darf sich keinesfalls jemals verändern, sonst ist die gesamte Beziehung total infrage gestellt. Kein Wunder, wird es oft drückend eng.

Und dann? Dann sind wir wieder bei den alternativen Beziehungsmodellen, die versuchen, diesen Problemlagen zu antworten.

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