Auch für viele sexuell offen lebende Paare ist das Szenario, dass man sich oder der/die Partner*in sich verlieben könnte, unerträglich. Wieso eigentlich?
Ich finde diese Frage sehr wichtig, weil sie ganz viele unserer verinnerlichten romantischen Selbstverständlichkeiten offenbart. Und die gehen in etwa so: wenn man sich verliebt,
- „liebt“ man den/die bestehende*n Partner*in offenbar doch nicht mehr.
- Zwischenfrage: Was bedeutet es eigentlich, jemanden zu lieben?
- Zwischenfrage 2: Was ist der Unterschied zwischen Verliebtheit und jemanden zu lieben?
- schaltet sich das Hirn aus, da kann man leider nichts tun.
- folgt man blind und unkontrollierbar seinen archaischen Impulsen.
- will man automatisch ausschliesslich nur noch bei dieser neuen Person sein, alle anderen sind einem plötzlich ziemlich egal.
- muss man sich entscheiden, wen man wirklich liebt.
- kann man dermassen nicht mehr klar denken, dass man automatisch alles für die neue Person aufgibt.
- ist das ein Zeichen, dass man sich trennen muss.
- muss man mit der neuen Person eine heteroromantische Beziehung eingehen.
Etc.pp. Befreien wir uns von dieser Naturgesetz-Logik, Leute (und yes, das ist anstrengend. Aber darum kommen wir offenen/poly Leute eh nicht herum). Verliebtheit ist ein Gefühl, und wir haben Gestaltungsspielraum, wie wir damit umgehen. Dass sich jemand in der Beziehung neu verliebt, ist einzig eine Frage der Zeit. Darauf zu hoffen, dass es nicht passiert, ist naiv. Verhängnisvoll wird es erst, wenn man die Verliebtheit zum No-Go erklärt und sie keinen Raum haben darf. Dann wird es schnell sehr eng und unerträglich (can confirm). Begegnet man ihr hingegen freundlich, ist für alle Beteiligten so vieles mehr möglich (can confirm as well).

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