Ein Freund hat kürzlich zu Recht angemerkt, dass unser „Beziehungsebenen-Modell“ recht abstrakt ist. Da emotional mitzukommen sei noch einmal etwas ganz anderes. Er fragte mich, wie ich das erlebe. (An dieser Stelle nur ganz kurz: Im besagten Modell geht es darum, dass sich Beziehungen verändern dürfen. Das heisst für meinen Partner und mich: Ob wir gerade zusammen wohnen oder nicht, viel Zeit zusammen verbringen oder nicht, körperliche Intimität leben oder nicht … All das stellt unsere grundsätzliche Verbundenheit und unsere Beziehung nicht infrage. Die „Beziehungsebenen“ können und dürfen je nach Lebensphase unterschiedlich ausgeprägt sein.)
Damit einher ging (und geht) ein kompletter Wandel des Mindsets. Das bedeutete etwa vier Jahre lang mehr oder weniger konstante emotionale Schwerstarbeit. Einmal durch die emotionale Hölle und zurück. Ganz am Anfang rang ich zum Beispiel enorm damit, wieso ich überhaupt das Bedürfnis habe, Sexualität ausserhalb meiner Partnerschaft zu leben. Stimmt etwas nicht mit mir? Bin ich derart willensschwach? Warum kann ich nicht einfach dankbar sein für diesen fantastischen Mann an meiner Seite und die Füsse stillhalten? Monate lang versuchte ich immer wieder, dieses Bedürfnis auszulöschen, weil ich die möglichen Konsequenzen so fürchtete. Manchmal hatte ich das Gefühl, innerlich regelrecht zu dissoziieren, sodass ich keinerlei Gefühle mehr wahrnahm und dachte, nun sei vielleicht alles gut. Bis ich merkte, dass das nicht funktionierte und ich in Panikattacken verfiel (die ich schon von früher kannte). Ein zweites Beispiel: Als mein Partner zum ersten Mal eine Freundin hatte, befanden wir uns gerade im Übergang zwischen unserer Trennung und unserem erneuten Zusammenfinden. Ich fand seine Beziehung emotional ganz und gar nicht easy. Ich fühlte mich bedroht. Ich war neidisch, dass er diese Erfahrung machen und seine Verliebtheit ausleben konnte, während mir das untersagt blieb. Teilweise überkamen mich Abscheu und Ekel und ich zweifelte massiv daran, ob das mit uns gut kommt.
Noch schlimmer allerdings wäre es für mich immer gewesen, mich diesen Gefühlen nicht zu stellen und ihnen nicht auf den Grund zu gehen. Mein persönliches Worst-Case-Szenario wäre, von Angst getrieben zu leben. Etwas nur aus Angst zu tun oder zu unterlassen, ist für mich kein ausreichender Grund für irgendetwas. Vermutlich war es dieser existenzielle Widerwille, mich der Angst zu beugen, der mich letztlich immer wieder angetrieben hat. Ich möchte nicht von Angst, Neid oder Schmerz angetrieben sein, sondern von Liebe, Vertrauen und Grosszügigkeit. Zudem weiss ich aus langjähriger Erfahrung mit der Angst (Panikattacken etc. lassen grüssen): Kein Zustand ist schlimmer, lähmender, schädlicher, als in der Angst zu bleiben. Es stattdessen zu wagen, ist für mich immer die bessere Variante.

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